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Erziehungspartnerschaft

„Ich wollte doch eigentlich mit Kindern arbeiten ...“

Der Wechsel von der Elternarbeit zur Erziehungspartnerschaft erfordert einen Perspektivwechsel.
Foto: Heidi Velten
Die Entwicklung von der Elternarbeit hin zur Erziehungspartnerschaft erfordert einen Perspektivwechsel – von den Eltern und den pädagogischen Fachkräften. Ein Plädoyer für die Kooperation zum Wohle des Kindes.

Inklusion

Wertschätzung von Vielfalt



„Vorhin ist Jerome wieder mit dem Buggy bis vor die Tür kutschiert worden. Ich frage mich, wann die Mutter endlich kapiert, dass man mit 4 Jahren auch selbst laufen kann.“

„Frau Gerling hat Lina wieder nur einen Schokoriegel und eine Limo eingepackt! Salat gibt's bei denen auch nur auf dem Burger.“


So oder so ähnlich geht es auch in Ihrer Kita zu. Glauben Sie nicht? Achten Sie mal darauf. Abgesehen von Bildungsplänen und Kinderförderungsgesetzen bestimmt kaum ein anderer Aspekt unsere tägliche Arbeit am Kind so sehr, wie der Umgang mit den Eltern der Kinder. Dieser Umgang scheint uns sogar so sehr zu belasten, dass wir in der Ausbildung und auch noch lange danach immer von „Elternarbeit“ gesprochen haben. Was ist das für eine Arbeit, die da geleistet wird? Wer arbeitet an wem? Und warum müssen Eltern überhaupt „bearbeitet“ werden? Schon die Sprache, die wir genutzt haben, zeigt sehr deutlich, dass es sich hierbei allzu oft um ein konfrontatives Verhältnis handelt, geprägt von gegenseitigem Unverständnis und der Tendenz zum Belehren.

Vertrauen als Basis
Wenn wir uns allerdings einmal deutlich machen, welches Vertrauen die Eltern uns entgegenbringen, indem sie uns ihre Kinder – hoffentlich – leichten Herzens anvertrauen und darauf bauen, dass wir durch unsere Ausbildung und unsere Persönlichkeit dabei mithelfen, diese Kinder zu verantwortungsvollen und kompetenten Menschen zu erziehen, fällt es uns auch nicht mehr schwer zu verstehen, warum die ehemals so belastende Elternarbeit nun endlich auch den Namen hat, den sie verdient: „Erziehungspartnerschaft“. Was für ein großes und bedeutungsschweres Wort. Wir hören „Partnerschaft“ und denken an Dinge wie: Vertrauen, Toleranz, Respekt und Ehrlichkeit. Diese Aspekte gehören zweifellos zu jeder gelingenden Partnerschaft. Wir wissen jedoch auch, dass Partnerschaften nicht immer nur von gegenseitigem Verständnis und andauerndem Sonnenschein geprägt sind. Auch Diskussionen, Meinungsverschiedenheiten, Streit und Versöhnungen spielen eine große Rolle.

Gemeinsames Ziel: Das Wohl des Kindes
Eine Partnerschaft kann immer nur dann geschlossen werden, wenn es ein gemeinsames Ziel gibt. Dieses Ziel ist hier nicht, dass Eltern und Pädagogen sich in die Arme fallen und gemeinsam ihre Freizeit verbringen. Das gemeinsame Ziel der Erziehungspartnerschaft kann nur das Wohl des Kindes sein. Für dieses Ziel finden sie zusammen, planen gemeinsame Schritte und überprüfen immer wieder ihre Handlungen und Haltungen. Das kann sowohl im harmonischen Gespräch, als auch in einer respektvollen Auseinandersetzung stattfinden, wenn nur das gemeinsame Ziel immer im Fokus bleibt.

Perspektivwechsel als Voraussetzung
Der begriffliche Wechsel von der Elternarbeit zur Erziehungspartnerschaft fordert uns auch ganz deutlich dazu auf, einen Perspektivwechsel vorzunehmen. Der oft prüfende und wertende Blick der Erzieherin auf das Verhalten und die Erziehungsvorstellungen der Eltern, wandelt sich zu einem gemeinsamen Blick auf das Wohl des Kindes. In dem Moment, in dem beide Parteien das gemeinsame Ziel im Auge haben, stehen beide „Seite an Seite“. Sie geben das konfrontative Gegenüber auf und können so gleichberechtigt ihre spezifischen Kompetenzen in die Arbeit am gemeinsamen Ziel einbringen. Erziehungspartnerschaft heißt, sich wirklich und tatsächlich an die Seite der Eltern zu stellen, um den gemeinsamen Blick auf das Kind richten zu können. Wertende Urteile wie „gute Eltern“ oder „schwierige Eltern“ werden sofort hinfällig, wenn Sie sich im Schulterschluss mit den Eltern wiederfinden, denn Sie rudern dasselbe Boot.

Herausforderung Erziehungspartnerschaft
Dieser Perspektivwechsel ist eine große Aufgabe für Pädagogen und Eltern gleichermaßen. Es mag für manche Eltern sehr bequem scheinen, die Verantwortung für das Kindeswohl in Gänze der Erzieherin zu überlassen und bei auftretenden Schwierigkeiten die Schuld einseitig in der Kindertageseinrichtung zu suchen. Die Kita als reines Dienstleistungsunternehmen zu verstehen, versetzt Eltern schnell in die komfortable Rolle, sich über eigene Ziele und Ansprüche nur wenig Gedanken machen zu müssen.

Gleichzeitig sehen sich aber auch Pädagogen vor der Aufgabe, alte Gewohnheiten in der Zusammenarbeit mit den Eltern zu reflektieren und gegebenenfalls aufzugeben. Fühlen sich die Eltern auf dem Elternabend vielleicht etwas an ihre Schulzeit erinnert, weil Sie sie im Frontalstil unterrichten und belehren, anstatt den Dialog zu suchen? Praktizieren Sie die Einbeziehung der Eltern vielleicht auch nur insoweit, dass Sie Arbeiten am Außengelände oder am Kuchenbuffet delegieren? Sicherlich nicht. Aber auch Sie werden in Ihrem Alltag Aspekte finden, die Sie mit Ihrem Team überdenken und neu gestalten müssen.

Verantwortung übernehmen
So einfach sich das auch schreibt und liest, so schwierig ist die tatsächliche Umsetzung im Alltag. Wer ist denn nun dafür verantwortlich, dass dieser gemeinsame Prozess gestartet und gestaltet werden kann? Die Antwort hierauf ist denkbar einfach: wir, liebe Kolleginnen und Kollegen. Wir sind dafür verantwortlich. Daran lassen die Bildungspläne der Bundesländer keinen Zweifel. Es ist an den Erzieherinnen und Erziehern in den Einrichtungen, die Kooperation zwischen Eltern und Kita auf den Weg zu bringen, um diese dann gemeinsam gestalten zu können.

Reservieren Sie doch einmal eine der nächsten Dienstbesprechungen für das Thema Erziehungspartnerschaft oder nutzen Sie einen der nächsten Konzeptionstage, um einen Referenten einzuladen. Machen Sie sich auf den Weg. Sie werden bei den Eltern offene Türen einrennen.



Bernhard Baron
Erzieher in der Kita St. Bonifatius, Wiesbaden
E-Mail: redaktion@dguv-kinderkinder.de

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