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Hygiene in der Kita

Eine saubere Sache


Foto: N. Peine
Hygienemaßnahmen können Kinder sowie Erzieherinnen und Erzieher vor Infektionen schützen. Aber kann „zu viel“ Hygiene auch schaden?.
Schnell noch vor dem Toilettengang des geliebten Sprösslings den Toilettenrand mit einem Desinfektionstuch abwischen. Die Schmutzwäsche natürlich nur mit desinfizierendem Waschmittel waschen und den Schnuller des Säuglings auskochen, wenn er auf den Boden gefallen ist – die Werbung macht uns vor, dass Kinder eine möglichst keim- und bakterienfreie Umgebung brauchen, um gesund zu bleiben.

„Der Schein trügt“, sagt Professorin Erika von Mutius von der Uniklinik München. „Denn Menschen bestehen zum Großteil aus natürlichen Bakterien – ohne sie könnten der Darm oder die Lunge lebenswichtige Funktionen nicht erfüllen und wir würden krank werden“, erklärt die Medizinerin. So hat zum Beispiel eine große Studie an Mäusen gezeigt, dass diejenigen Tiere, die unter sterilen Bedingungen aufgewachsen sind, ein deutlich schwächeres Immunsystem hatten als Mäuse, die
natürlichen Keimen und Bakterien ausgesetzt waren. „Die Übertragbarkeit der Ergebnisse auf den Menschen ist allerdings noch fraglich“, ergänzt von Mutius. Auch die Ergebnisse ihrer sogenannten Bauernhof-Studien sorgten vor circa sechs Jahren für Aufsehen: Kinder, die auf dem Bauernhof mit vielen Mikroben, Bakterien und Schimmelpilzen aufwuchsen, hatten seltener Asthma und Allergien. Selbst der Kontakt mit erkälteten Kindern soll das Immunsystem von Kindern trainieren und
somit zu einer stabileren körpereigenen Abwehr beitragen.

Aber neben den „guten“, natürlichen Keimen und Bakterien gibt es eben auch die schädlichen, die gefährliche Infektionen auslösen können. Gerade in der Kita sei die Ansteckungsgefahr groß aufgrund der vielen Kinder, die teilweise auch krank machende Keime mit sich tragen, erklärt Professorin von Mutius. Deswegen seien insbesondere hier Hygienemaßnahmen sehr wichtig, um übertragbaren Krankheiten vorzubeugen.

Hygiene nach Plan
Kitas müssen als Gemeinschaftseinrichtung ihre Maßnahmen zur Infektionshygiene in Hygieneplänen festlegen. Der Plan muss auf die jeweiligen organisatorischen und baulichen Gegebenheiten angepasst und in regelmäßigen Abständen überarbeitet werden. Die Kita-Leitung trägt die Verantwortung für die Einhaltung der Hygienemaßnahmen. Sie kann diese Aufgabe aber auch an einen Hygienebeauftragten bzw. eine
-beauftragte oder ein Hygieneteam delegieren. Das zuständige Gesundheitsamt überwacht die Umsetzung der Hygienepläne.
Für Maria Fuchs, Leiterin der Wiesbadener Kita St. Bonifatius, und ihr Team gehören Hygienemaßnahmen zum Alltag. Die jährlichen Hygiene-Schulungen für alle Kita-Beschäftigten bewähren sich. „Die Frage, ob die Kinder vor dem Essen oder nach dem Toilettengang die Hände gewaschen haben, gehört zum Standard“, so die Kita-Leiterin. Zum Schutz ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter achtet sie darauf, dass Einmalhandschuhe beim Wickeln oder Po Abwischen getragen werden.
Auch für Martina Nikolai, Erzieherin in einer städtischen Kita in Wiesbaden, gehört Hygiene einfach dazu. „Wenn ich morgens bei der Arbeit ankomme, gehört das Anstecken meines Namensschildes genauso zu meinem Ritual wie das Händewaschen“, so die 57-jährige. „Hygiene ist außerdem Teil unseres Qualitätsmanagements und somit sowieso keine Frage des Wollens – aber gründliche Hygiene macht ja auch Sinn, um uns
Beschäftigte selbst und die Kinder vor Infektionen zu schützen.“ Dr. Marcus Reska vom Deutschen Beratungszentrum für Hygiene ergänzt: „Ob regelmäßiges Händewaschen oder das Husten in die Armbeuge – Erzieherinnen und Erzieher sind neben den Eltern wichtige Vorbilder für die Kinder in Sachen hygienegerechtes Verhalten.“

Fragen & Antworten zur Hygiene in Kitas
In welcher Reihenfolge sollten die Kita-Räumlichkeiten gereinigt werden?
Begonnen wird immer im „reinsten, sensibelsten“ Bereich. Dies ist in der Kita die Küche. Danach werden Büro, Gruppenräume, Nebenräume, Flure, Wickelbereiche und ganz zum Schluss die Toiletten gereinigt. Die Reinigung selbst folgt dem Prinzip vom Fenster zur Tür und von oben nach unten. Achtung: die mit Bakterien besiedelten Tür- und Fenstergriff e nicht vergessen!

Ist eine Tierhaltung in der Kita möglich?
Prinzipiell ja, die Tiere müssen allerdings regelmäßig durch einen Tierarzt untersucht, gegebenenfalls geimpft und entwurmt werden. Neben der artgerechten Tierhaltung muss auch deren Versorgung an Wochenenden gewährleistet werden. Ein spezieller Reinigungs-/Pflegeplan ist zu erstellen und die Verantwortlichkeiten sind darin klar zu regeln.

Welche Hygienemaßnahmen gibt es beim Zähneputzen?
Jedes Kind braucht seine eigene Zahnbürste, die circa alle vier Wochen – spätestens aber dann, wenn die Borsten verbogen sind – gewechselt werden sollte. Nach Gebrauch ist sie gut auszuspülen und mit den Borsten nach oben zu lagern. Bei der Verwendung von Zahnpasta sollte der Tubenrand möglichst keinen Kontakt mit der Zahnbürste haben.

Was ist aus hygienischer Sicht bei „Schlafk indern“ zu beachten?
Jedes Kind sollte seine eigene Bettwäsche, Schlafdecke, Kissen und Matratze haben. Die Bettwäsche sollte circa alle zwei Wochen (und bei Verschmutzung) gewechselt und bei mindestens 60 Grad Celsius gewaschen werden. Ein Vollwaschmittel reicht aus. Wenn Schlafanzüge verwendet werden, sind diese wöchentlich (und bei Verschmutzung) zu wechseln.

Wie müssen die Reinigungsutensilien gewaschen werden?
Reinigungsutensilien wie Lappen und Wischbezug sind arbeitstäglich,
getrennt von anderer Wäsche bei mindestens 60 Grad Celsius (besser 95 Grad) zu waschen. Die Utensilien müssen danach bis zum nächsten Gebrauch trocken und getrennt von schmutziger Wäsche gelagert werden. Desinfi zierende Waschmittel sind in der Regel nicht notwendig, ein handelsübliches Vollwaschmittel reicht aus. Die Reinigungsgeräte selbst wie zum Beispiel ein Wischmopp, sind mindestens wöchentlich zu
reinigen.

Wann muss in einer Kita desinfiziert werden?
Eine Flächendesinfektion von Fußboden und Einrichtungsgegenständen
ist normalerweise nicht notwendig. Eine Ausnahme besteht, wenn in der Kita eine meldepflichtige ansteckende Krankheit ausbricht. Dies muss über die Kita-Leitung an das zuständige Gesundheitsamt mitgeteilt werden. Das Amt kann bei Bedarf spezielle Desinfektionsmaßnahmen anordnen.
Die Auflagen von Wickelkommoden müssen nach jedem
Wickeln desinfi ziert werden. Dafür eignen sich zum Beispiel alkoholische Tücher in Spenderboxen. Nach einer Kontamination mit Blut, Stuhl, Urin oder Erbrochenem muss immer sofort gezielt desinfi ziert werden. Dabei sind geeignete Einmalhandschuhe zum Beispiel aus Nitril zu tragen. Erst wird das „kontaminierte Material“ mit einem in Desinfektionsmittel
getränkten Papiertuch oder Zellstoff entfernt. Danach kann man die Fläche desinfi zieren und nach dem Abtrocknen wieder verwenden. Auch dafür eignen sich die Desinfektionstücher in Spenderboxen.

Ist eine Sprühdesinfektion effektiver als das Wischen mit
Desinfektionstüchern?

Nein, um eine gute Desinfektion zu gewährleisten, ist die Kombination von chemischen (Desinfektionsmittel) und physikalischen (Druck/Reibung) Maßnahmen am besten. Auf Sprühdesinfektion sollte verzichtet werden, da die Kinder und die Kita-Beschäft igten durch das Einatmen des Sprühnebels belastet werden.

Wie oft sollte in Spiel- und Kuschelecken gereinigt werden?
Da diese Bereiche intensiv genutzt werden, sollte eine tägliche
Reinigung erfolgen. Es wird empfohlen, dass die Sitz- und Liegeflächen
einen abnehmbaren und waschbaren Bezug haben. Die Bezüge sind dann regelmäßig, spätestens bei Verschmutzung, mit mindestens 60 Grad Celsius zu waschen.

In welchen Abständen müssen Spielzeuge gereinigt werden?
Die Abstände sind abhängig von der Intensität der Nutzung.
Mindestens einmal wöchentlich, bei Säuglingen täglich.
Textile Spielsachen sollten in der Waschmaschine bei 60 Grad
gewaschen werden.

Diese und weitere Fragen zum Thema können Sie ausführlich nachlesen in: Hygiene in Kindertagesstätten - Fagen und Antworten" von R. Giemulla und S. Schulz-Stübner.


Natalie Peine
Redakteurin DGUV Kinder, Kinder
redaktion@dguv-kinderkinder.de « zurück zur Übersicht

Umgang mit Zeckenstichen

Beim Umgang mit Zeckenstichen herrscht in vielen Kindertageseinrichtungen und Schulen häufig Unsicherheit.

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