|
Mit Spielzeug können Kinder die Welt
„im Kleinen“ nachspielen, mechanische
Eigenschaften und technische
Zusammenhänge erkunden, ihrer
Fantasie und Kreativität freien Lauf
lassen und in verschiedenste Rollen
schlüpfen.
Das Spielzeugangebot ist riesig und
die Auswahl entsprechend schwer.
Der Werbung ist es zu verdanken,
dass Kinder heute genau wissen,
welches Spielzeug sie haben wollen.
Durch die übertriebene Darstellung
in der Werbung sind aber Enttäuschungen
oft vorprogrammiert.
Produkte zu aktuellen Fernsehserien
oder Filmen sowie Modeartikel sind
häufig Prestigeobjekte, die Kinder
haben wollen, um zur Gruppe zu
gehören. Um ein wirkliches Spielbedürfnis
geht es dabei selten.
Ein großes Problem in unserem
Alltag ist die Reizüberflutung. Diese
sollte durch Spielzeug nicht verstärkt
werden. Zu viel Spielzeug, das auch
noch zu laut, zu bunt und reizüberflutend
ist, stört eher einen sinnvollen
Spielablauf.
Vorbild Kita
Die Kita hat bei der Spielzeugauswahl
eine Vorbildfunktion. Hier muss das
Spielzeug nicht nur besonders stabil
und haltbar sein. Es soll auch so zum
Spiel anregen, dass Kinder sich gerne
ausdauernd damit beschäftigen.
Aufbau, Funktionen und Erweiterungen
des Spielmaterials müssen logisch und
gut nachvollziehbar sein.
Auch die Gestaltung spielt eine große
Rolle: Kitsch mindert nicht nur äußerlich
den Wert. Spielzeug sollte auch
unter dem Gesichtspunkt ausgewählt
werden, welches Bild und Abbild der
Welt es dem Kind vermittelt. Wird die
Welt als bedrohlich dargestellt oder ist
sie interessant und schützenswert? Ist
das vermittelte Weltbild realistisch?
Kriterien für gutes Spielzeug
Gutes Spielzeug soll die Fantasie anregen
und dem Kind möglichst viel Raum
für Ideen und Eigeninitiative lassen. Eine
vorgegebene Geschichte anstatt eigener
Erlebnisse nachzuspielen ist wenig
sinnvoll. Die vom Spielwarenhandel angebotenen
kompletten Spielzeugwelten
behindern die Improvisationsideen von
Kindern.
Ein Dreijähriger will die Eisenbahn selbst
schieben und nicht am Rand sitzend
zuschauen, wie die batteriebetriebene
Lok ihre Runden dreht. Außerdem: Das
„Brrrrrrummen“ später beim Logopäden
üben zu müssen, macht keinen Spaß.
Je vielfältiger die Spielmöglichkeiten
sind, desto anregender ist das Spielzeug
und desto länger bleibt es interessant. So
bietet ein Fahrzeug zum Be- und Entladen
mehr Abwechslung als ein geschlossener
Kastenwagen.
Das Spiel folgt den täglichen Umwelterfahrungen
und den besonders eindrucksvollen
Erlebnissen des Kindes. So regt zum Beispiel
die Baustelle vor dem Kindergarten
zum Nachspielen an, ein Urlaub auf dem
Campingplatz lässt ein Wohnmobil
interessant werden.
Die Größe des Spielzeugs muss dem Spielzweck
angemessen sein. Ein übergroßer
Sandlaster ist – mit Sand befüllt – zu schwer
zum Schieben. Ein zu kleiner Spielplan mit
entsprechend kleinen Figuren macht ein
Gesellschaftsspiel unnötig anstrengend.
Die Menge, zum Beispiel eines
Bausystems, muss ausreichend sein,
so dass ein vernünftiges Bauwerk erbaut
werden kann. Auch zum gemeinsamen
Bauen für mehrere Kinder sollte das Material
genügen. Sind zu viele Sonderteile im
Verhältnis zu den Grundteilen vorhanden,
sind eigene Erfindungen kaum umzusetzen.
Form und Farbe beeinflussen auch die Spielmöglichkeiten
und die Vorstellungswelt von
Kindern: Zu buntes Baumaterial stört beim
Gestalten. Spielzeug in vereinfachter Form
lässt Kinder Wesentliches erkennen und regt
die Fantasie an. Überflüssige Dekorationen
lenken vom eigentlichen Spiel ab.
Material und Haltbarkeit müssen dem
Spielzweck entsprechen. Aus jedem Material
lässt sich gutes und schlechtes Spielzeug
herstellen. Das Spielzeug soll viel aushalten,
aber nicht alles. So müssen Kinder lernen,
dass bei einem Baufahrzeug die ausklappbaren
Stützen eingeklappt werden müssen,
bevor das Fahrzeug weiter fährt – sonst brechen
diese ab. Die altersgemäße Zuordnung
bei solchem Spielzeug ist wichtig, denn
es muss hier zunächst ein Verständnis für
mechanische Abläufe vorhanden sein.
Altersangaben und -empfehlungen sind
nur Richtlinien. Kinder entwickeln sich unterschiedlich.
So kann ein Kind, das viel mit
Konstruktionsmaterial baut, schon früher
komplizierte Bauwerke erstellen als ein in
diesem Bereich unerfahrenes Kind. Dasselbe
Spielzeug wird je nach Alter und Entwicklungsstand
auch anders bespielt. Mit einem
Kaufladen können schon Vierjährige spielen.
Achtjährige interessiert das Thema auch
noch und ihre Kommunikationsfähigkeit
lässt eine ganz andere Spieltiefe zu.
Ingetraud Palm-Walter ist Erzieherin,
Fachwirtin für Sozialwesen und Vorstandsmitglied
bei spielgut e.V.
|
|
|
|