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  Weniger ist mehr!  

Weniger ist mehr!

Kinder sind von Natur aus neugierig, haben Freude am Tun und an der Bewegung. Sie brauchen Anregungen, damit ihre Neugierde und Freude an der Aktivität lebendig bleiben. Gutes Spielzeug kann solche Anregungen bieten.












Physik zum Anfassen: die Kugelbahn.


Foto: Katja Berghäuser

Mit Spielzeug können Kinder die Welt „im Kleinen“ nachspielen, mechanische Eigenschaften und technische Zusammenhänge erkunden, ihrer Fantasie und Kreativität freien Lauf lassen und in verschiedenste Rollen schlüpfen.

Das Spielzeugangebot ist riesig und die Auswahl entsprechend schwer. Der Werbung ist es zu verdanken, dass Kinder heute genau wissen, welches Spielzeug sie haben wollen. Durch die übertriebene Darstellung in der Werbung sind aber Enttäuschungen oft vorprogrammiert. Produkte zu aktuellen Fernsehserien oder Filmen sowie Modeartikel sind häufig Prestigeobjekte, die Kinder haben wollen, um zur Gruppe zu gehören. Um ein wirkliches Spielbedürfnis geht es dabei selten.

Ein großes Problem in unserem Alltag ist die Reizüberflutung. Diese sollte durch Spielzeug nicht verstärkt werden. Zu viel Spielzeug, das auch noch zu laut, zu bunt und reizüberflutend ist, stört eher einen sinnvollen Spielablauf.

Vorbild Kita
Die Kita hat bei der Spielzeugauswahl eine Vorbildfunktion. Hier muss das Spielzeug nicht nur besonders stabil und haltbar sein. Es soll auch so zum Spiel anregen, dass Kinder sich gerne ausdauernd damit beschäftigen. Aufbau, Funktionen und Erweiterungen des Spielmaterials müssen logisch und gut nachvollziehbar sein.

Auch die Gestaltung spielt eine große Rolle: Kitsch mindert nicht nur äußerlich den Wert. Spielzeug sollte auch unter dem Gesichtspunkt ausgewählt werden, welches Bild und Abbild der Welt es dem Kind vermittelt. Wird die Welt als bedrohlich dargestellt oder ist sie interessant und schützenswert? Ist das vermittelte Weltbild realistisch?

Kriterien für gutes Spielzeug
Gutes Spielzeug soll die Fantasie anregen und dem Kind möglichst viel Raum für Ideen und Eigeninitiative lassen. Eine vorgegebene Geschichte anstatt eigener Erlebnisse nachzuspielen ist wenig sinnvoll. Die vom Spielwarenhandel angebotenen kompletten Spielzeugwelten behindern die Improvisationsideen von Kindern.

Ein Dreijähriger will die Eisenbahn selbst schieben und nicht am Rand sitzend zuschauen, wie die batteriebetriebene Lok ihre Runden dreht. Außerdem: Das „Brrrrrrummen“ später beim Logopäden üben zu müssen, macht keinen Spaß.

Je vielfältiger die Spielmöglichkeiten sind, desto anregender ist das Spielzeug und desto länger bleibt es interessant. So bietet ein Fahrzeug zum Be- und Entladen mehr Abwechslung als ein geschlossener Kastenwagen.

Das Spiel folgt den täglichen Umwelterfahrungen und den besonders eindrucksvollen Erlebnissen des Kindes. So regt zum Beispiel die Baustelle vor dem Kindergarten zum Nachspielen an, ein Urlaub auf dem Campingplatz lässt ein Wohnmobil interessant werden.

Die Größe des Spielzeugs muss dem Spielzweck angemessen sein. Ein übergroßer Sandlaster ist – mit Sand befüllt – zu schwer zum Schieben. Ein zu kleiner Spielplan mit entsprechend kleinen Figuren macht ein Gesellschaftsspiel unnötig anstrengend.

Die Menge, zum Beispiel eines Bausystems, muss ausreichend sein, so dass ein vernünftiges Bauwerk erbaut werden kann. Auch zum gemeinsamen Bauen für mehrere Kinder sollte das Material genügen. Sind zu viele Sonderteile im Verhältnis zu den Grundteilen vorhanden, sind eigene Erfindungen kaum umzusetzen.

Form und Farbe beeinflussen auch die Spielmöglichkeiten und die Vorstellungswelt von Kindern: Zu buntes Baumaterial stört beim Gestalten. Spielzeug in vereinfachter Form lässt Kinder Wesentliches erkennen und regt die Fantasie an. Überflüssige Dekorationen lenken vom eigentlichen Spiel ab.

Material und Haltbarkeit müssen dem Spielzweck entsprechen. Aus jedem Material lässt sich gutes und schlechtes Spielzeug herstellen. Das Spielzeug soll viel aushalten, aber nicht alles. So müssen Kinder lernen, dass bei einem Baufahrzeug die ausklappbaren Stützen eingeklappt werden müssen, bevor das Fahrzeug weiter fährt – sonst brechen diese ab. Die altersgemäße Zuordnung bei solchem Spielzeug ist wichtig, denn es muss hier zunächst ein Verständnis für mechanische Abläufe vorhanden sein.

Altersangaben und -empfehlungen sind nur Richtlinien. Kinder entwickeln sich unterschiedlich. So kann ein Kind, das viel mit Konstruktionsmaterial baut, schon früher komplizierte Bauwerke erstellen als ein in diesem Bereich unerfahrenes Kind. Dasselbe Spielzeug wird je nach Alter und Entwicklungsstand auch anders bespielt. Mit einem Kaufladen können schon Vierjährige spielen. Achtjährige interessiert das Thema auch noch und ihre Kommunikationsfähigkeit lässt eine ganz andere Spieltiefe zu.

Ingetraud Palm-Walter ist Erzieherin, Fachwirtin für Sozialwesen und Vorstandsmitglied bei spielgut e.V.


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