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  Sprache und Kreativität  

Sprache und Kreativität

In den drei Häusern der Kita Kirchseeonerstraße in München geht es bunt zu. „Wir machen heute Kunst!“, Francesca strahlt und freut sich.











Von den 140 Kitakindern werden 45 in diesem Jahr eingeschult. 80 Prozent der Kinder, die die Kita in München-Ramersdorf besuchen, wachsen mehrsprachig auf. Sie kommen aus 24 verschiedenen Nationen. Manche der Vorschulkinder sprechen gut Deutsch, andere zeigen starke sprachliche Unsicherheiten – allerdings nicht nur die mehrsprachigen Kinder.

Das Projekt „Kunst und Sprache“ fördert die Kreativität der Kinder und verbindet Kunst und Kommunikation. Am Projekt, das in fünf Blöcken durchgeführt wurde, durft en alle Vorschulkinder teilnehmen. Sie waren dafür in Gruppen mit bis zu acht Kindern aufgeteilt.

In jedem der Blöcke wurden die Bereiche Kreativität und Gestalten. Sprache und Kommunikation, Körper und Sinne miteinander verknüpft . Die entspannte Grundstimmung regte dabei die Fantasie und Experimentierfreude der Kinder an, aber auch ihr Bedürfnis, sich den anderen mitzuteilen. Jeder Block hatte eine Abschlussrunde, in der die Kinder erzählten, was ihnen gefallen hat und was nicht.

Geschichte der Regenbogenblume
Die Geschichte der Regenbogenblume führte die Kinder durch die Stunden:
Eines sonnigen Morgens im Frühling erwacht eine kleine Blume in einem fremden Garten. Bald bemerkt sie, dass sie keine Wurzeln hat und fühlt sich fremd und einsam. Mit Hilfe einer kleinen Spinne, der Sonne und Emilie, einer Schnecke, erkennt sie, wie man seine Wurzeln wachsen lassen kann und ein wirkliches Zuhause und Freunde findet.

So wie die kleine Blume, erleben viele Kinder den Start in die Schule oft als eine Art Entwurzelung. Die Geschichte will ihnen Mut machen, Neuem mit Offenheit und Freude zu begegnen.

Sprachentwicklung
Während der Kunststunden hat sich gezeigt, dass die Kinder nicht nur in ihrem kreativen Ausdruck und in ihrer Selbstsicherheit wachsen, sondern auch in ihrem motorischen Geschick und ihrer Sprachentwicklung. Das Sprach- und Kommunikationsverhalten hat sich insgesamt verändert, es wurde lebendiger, klarer und kompetenter. Sprache hat viel mit positiv erlebten Kontakten, mit Kreativität und der Freude am spielerischen Entdecken und Experimentieren zu tun. Und Entdecken macht einfach Spaß.

Das Projekt hat die Kinder in ihrer Gesamtpersönlichkeit angesprochen. Es regte ihre schöpferischen Talente an und zeigte ihnen Wege, wie sie eigene Ideen entwickeln, verbalisieren und verwirklichen konnten.

Gefühle benennen
Manche Kinder mussten auch lernen, anfängliche Schwierigkeiten zu meistern, durchzuhalten oder auch Rücksicht zu nehmen. Sie lernten ihre Wünsche und Gefühle (wie Trauer, Wut, Freude) klarer wahrzunehmen und sie zu benennen.

Im Laufe des Projektes hat die Begeisterung der Kinder auch die Eltern angesteckt. So ist aus dem ursprünglich deutschen Text der Geschichte der Regenbogenblume mit Hilfe einiger Mütter ein viersprachiges Bilderbuch (albanisch, serbokroatisch, türkisch und deutsch) entstanden. Zum Projektabschluss gab es eine große Ausstellung, bei der die Kinder stolz ihre Kunstwerke den Eltern, Großeltern, Freunden und Geschwistern präsentierten.

Praxis: Die Projektthemen in fünf Blöcken

Block 1:
Hören und Malen der Geschichte der Regenbogenblume

Zur ersten Stunde gehörte neben dem Vorlesen der Geschichte die Übung „Der wilde Wind“. Mit Hilfe dieser Köperwahrnehmungsübung lernten die Kinder, wie es sich anfühlt, keine Wurzeln zu haben, und was passiert, wenn sie Wurzeln (einen eigenen Standpunkt) entwickeln:

Übung: Der wilde Wind
Jedes Kind sucht sich seinen Platz.

Stell dir vor, du bist wie ein starker Baum auf einer grünen Wiese. Deine Füße sind wie Wurzeln. Du spürst, wie sie dich sicher halten. Deine Beine und dein Bauch sind der Baumstamm – und deine Arme und Finger die weiten Äste, die sich jetzt hoch in den Himmel strecken. Du spürst die warme Sonne. Sie streicht durch deine Blätter und wärmt dich. Ahh, das tut gut! Da, plötzlich kommt ein leichter Wind auf. Zuerst weht er sanft um dich herum und kitzelt deine Blätter. Sch - Sch - Sch...

Der Erwachsene wird nun zum Wind. Im ersten Durchgang berührt er die Finger und Arme aller Kinder nacheinander und ganz sachte.

Doch bald schon wird er immer stärker und wilder! Er biegt alle Bäume hin und her – und rüttelt und schüttelt sie! Huuu, Huuu, Huuu.....! Doch deine Wurzeln halten dich fest und sicher mit der Erde verbunden.“

Im zweiten Durchgang fasst man die Kinder fester, etwa eine halbe bis eine Minute an ihren Körperseiten in Taillen-/ Brusthöhe, und beginnt sie hin und her, vor und zurück und drehend zu wiegen und zu rütteln. Ziel ist es, sie dabei nur ganz kurz den drohenden Verlust der Stabilität erahnen zu lassen. Die Übung abschließend mit sanfteren Bewegungen ausklingen lassen.

Nach der Körperübung malte jedes Kind seine Regenbogenblume mit Zuckerkreide auf buntes Tonpapier.

Block 2:
Der Regenbogen und seine Farben

Aus den Fragen „Welche Farben hat ein Regenbogen und wie entsteht er?“ entwickelte sich die Frage für unser Experiment: Was geschieht, wenn man die Grundfarben rot, blau und gelb mischt? Die Kinder mischten zunächst je zwei Farben und anschließend alle drei miteinander. Jedes Kind hatte dafür zwei Pappteller und dicke Pinsel. Das freie Mischen begeisterte die Kinder ganz besonders. Sie mischten mit großem Eifer die drei Grundfarben, bis auf dem Teller nur noch ein undefinierbarer Farbenbrei war. Beim Vermischen von zwei Farben zeigten sich gezielte Farbkombinationen und Muster. Auf beide Teller waren die Kinder gleichermaßen stolz. Auch darauf, dass sie jetzt wussten, wie man mit Grundfarben grün, orange oder violett mischen kann.

Anschließend malten und stempelten sie mit den verschiedenen Farben gemeinsam einen großen Regenbogen auf ein weißes Tuch (90 x 120cm). Als Stempel dienten in Streifen geschnittene Spülschwämme.

Block 3:
Spinnen – und was sind warme Farben?

Die kleine Spinne aus der Geschichte brauchte noch ein Spinnennetz! Wir sprachen über Spinnen, wie sie aussehen und leben. Jedes Kind zeichnete anschließend mit Ölkreide seine Spinne auf ein großes Blatt Papier. Die Spinnen durft en von den Kindern ganz frei nach ihrer Fantasie gestaltet werden. Anschließend tropften wir verschiedene Farbkleckse auf das Papier (rot, orange, gelb = warme Farben), die wir mit dem Strohhalm und viel Luft zu einem Spinnennetz zusammenwachsen ließen. Manche Kinder verwendeten den Strohhalm teilweise für die Luft stromlenkung und teilweise als Zeichenstift.

Block 4:
Der Wasserkreislauf und kalte Farben

Wir machten eine Körperübung: Wir saßen im Kreis auf dem Teppich zusammen – alle waren kleine Wassertropfen in einer weichen weißen Wolke. Wir spürten, wie uns der Wind zuerst sanft hin und her wog und dann immer stärker wurde, uns durchrüttelte und dann hüpft e ein Wassertropfen nach dem anderen aus der Wolke heraus und hinunter zur Erde. Jeder landete im Wasser (Fluss, See, Meer). Was war dort alles zu entdecken: Fische, Krebse, Seesterne, Seeräuberschätze? Jedes Kind durft e das, was ihm am wichtigsten war, zuerst auf das Gemeinschaft sblatt (circa 90 x 100cm) malen und dann auf seine mitgebrachte Wasserflasche.

Block 5:
Gemeinsam im bunten Spinnennetz

Zuerst bemalte jedes Kind ein T-Shirt mit Textilfarbstiften. Jeder malte, was ihm aus der Geschichte der Regenbogenblume am wichtigsten erschien und durfte dabei auch ganz neue Stilelemente hinzufügen (zum Beispiel bunte Herzen, Häuser oder Sterne).

Anschließend bekam jedes Kind einen „Spinnenfaden“ (Wollknäuel), befestigte ihn zum Beispiel an einem Tischbein und webte mit ihm – und gemeinsam mit den anderen Kindern – im Raum ein buntes Netz. Danach suchte sich jedes Kind unter dem Netz seinen Lieblingsplatz. Interessant war, dass die Kinder sich in jeder der acht Gruppen nach kurzem Überlegen für einen gemeinsamen Kuschelplatz entschieden haben.

So konnten wir noch eine Kribbelkrabbelgeschichte für unsere Rücken erfi nden. Wir saßen hintereinander im Kreis. Vor jedem Kind befand sich so der Rücken eines Kindes, der „bearbeitet“ werden konnte.

Wir spürten den Regen (mit den Fingerspitzen den Rücken leicht abklopfen), den Wind (mit der flachen Hand kreisend den Rücken abstreichen), die Sonne (mit den aufgestellten Fingerspitzen den Rücken von unten nach oben und von innen nach außen abstreifen) und was den Kindern noch an eigenen Ideen einfiel.

Gabriele Kubitschek ist Fachautorin und Leiterin von Lern-, Kreativitätsund Entspannungsprojekten. E-Mail: arte@gabriele-kubitschek.de,
Internet: www.bim-bam-bini.de/
Telefon 089/4481576


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