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  Sprachförderung  

ABC, die Katze lief im Schnee – Sprachentwicklung bei Kita-Kindern

Sprachauffälligkeiten bei Kindern im Vorschulalter haben in den letzten Jahren zugenommen. Eine zeitgemäß entwickelte Sprache ist aber auch für die Entwicklung der kindlichen Persönlichkeit entscheidend. Höchste Zeit also für eine aktive Sprachförderung schon bei den Kleinsten!












Foto: fotolia/Inga B.

Kindheit hat sich in den letzten Jahrzehnten stark verändert. Längst vergangen erscheint die Zeit, in der die Großmutter an langen Winterabenden Märchen vorlas, während die kindliche Fantasie die schönsten inneren Bilder dazu malte.
Heute ist die vorlesende Großmutter weitgehend dem CD-Player oder Fernseher gewichen. Häufig finden sich Fernseher bereits in den Kinderzimmern der Kleinsten. Namhafte Wissenschaftler wie Manfred Spitzer von der Universität Ulm warnen vor einem übermäßigen Fernsehkonsum im Kleinkindalter: Die Folgen für die Sprachentwicklung seien verheerend.

Tatsache ist, dass inzwischen 18 bis 25 Prozent der Vorschulkinder Sprachauffälligkeiten zeigen. Die Folgen einer nicht altersgemäßen Sprech- und Erzählfähigkeit reichen in die Sozial- und Persönlichkeitsentwicklung eines Kindes hinein. Die gesunde Entwicklung des Kindes ist beeinträchtigt, wenn sich die Sprache nicht altersgemäß entwickelt.

Umso wichtiger ist es für Eltern und ErzieherInnen, jedes Kind in seiner Sprachentwicklung anzuregen und zu unterstützen, Auff älligkeiten zu entdecken sowie Hilfemaßnahmen zu suchen.

Nachahmung ist alles!

Für Eltern heißt das, sie sollten schon im Säuglingsalter viel mit ihrem Kind sprechen, Fingerspiele und Kniereiter machen und Lieder vorsingen.

Wichtig ist dabei, dass das Kind stets die Möglichkeit zum Nachahmen haben sollte – es muss den Erwachsenen also sehen können. Kinder lernen in den ersten Lebensjahren ausschließlich über die Nachahmung. Die Sprache wird dabei nicht nur über das Ohr aufgenommen, sondern über den gesamten Körper. Für das Auge unsichtbar, finden während des Sprechens kleinste Bewegungen am ganzen Körper statt. Beim Nachahmen macht jedes Kind diese Bewegungen allesamt mit, ahmt diese nach. Voraussetzung dafür ist allerdings die persönliche Anwesenheit des Sprechers, also lebendige Sprache von einem lebendigen Menschen. Sprache aus der Konserve kann das nicht leisten.

Sobald ein Kind frei sitzen kann, wird es größtes Vergnügen daran haben, auf dem Schoß Kniereiterspiele zu machen. Genauso interessiert wird es an Krabbelversen und Handstreichelspielen sein.

Beim bekannten „Hoppe-Reiter“-Spruch ruft jedes Kind „nochmal“ und hat größte Freude daran: Freude am Rhythmus, an den Worten und an der körperlichen Nähe.

Der Mond ist rund. Der Mond ist rund.
(Mit der Hand zweimal ganz nah rund um das Köpfchen kreisen.)

Er hat zwei Augen, Nas' und Mund.
(Die Augen, Nase und Mund in der Luft nahe über den Augen, der Nase und dem Mund des Kindes „malen“.)

Volksgut

Verse wirken Wunder

Im Kitaalter können die Verse länger und anspruchsvoller werden. Hier ist es wichtig, dass jede ErzieherIn Schatzkisten voller Reime besitzt und dass diese Schätze täglich reichlich an die Kinder verteilt werden. Kinder zum Beispiel mit dem Lied von den fleißigen Handwerkern zum Aufräumen anzuhalten, wirkt wahre Wunder.

Als meine Kinder noch klein waren, hatte ich einmal Besuch von einer Erzieherin. Eines meiner Kinder setzte sich auf den Tisch. Da hörte ich von nebenan:
Auf dem Tisch da steht der Kuchen, da hat der Pirmin nichts zu suchen.
Ich beobachtete, wie mein Dreijähriger grinsend vom Tisch herunter stieg – ohne direkte Aufforderung, ohne Schimpfen, allein durch den Inhalt und den Rhythmus des Verses.

In der Sprache liegt Kraft. Sprache gibt uns die Möglichkeit, mit anderen Menschen in Kontakt zu treten. Mithilfe der unterschiedlichen Laute können wir durch Sprache Gedanken und Gefühle zum Ausdruck bringen und wir können unseren Willen kundtun. Wir können auch trösten:
Heile heile Segen, drei Tage Regen, drei Tage Schnee, dann tut es nicht mehr weh, drei Tage Sonnenschein, dann wird alles wieder heile sein.

Sprache braucht Pflege

Sprache ist die Voraussetzung für alle anderen Entwicklungsbereiche: sei es für das Lesen, das Schreiben oder für das Sozialverhalten. Denken lernen setzt Sprache voraus. Wir müssen bei den Kindern die Sprachfähigkeit pflegen und fördern:

  • durch Nähe und Nachahmung
  • durch viel freudiges, natürliches und aufrichtiges Sprechen mit dem Kind
  • durch Spielen und Singen mit dem Kind
  • durch viele Natur- und Sinneserlebnisse
  • durch Verzicht auf zu viel Fernsehen.

Neben einer generellen Sprachverarmung können noch eine Vielzahl anderer Faktoren die Ursache für eine Sprachstörung sein, zum Beispiel:

Organische Ursachen: Hörstörungen, Bewegungsstörungen, missgebildete Sprechwerkzeuge
Soziokulturelle Ursachen: mögliche Überforderung durch mehrsprachiges Aufwachsen und zu frühes intellektuelles Heranbringen der Sprache, belastende Wohnsituation
Psychische Ursachen: Geschwisterrivalität, Trennung der Eltern, traumatische Erlebnisse, Erziehungsunsicherheit der Eltern.

Eltern und ErzieherInnen sollten dem sprachauffälligen Kind stets urteilsfrei und helfend zur Seite stehen. Sie sollten wissen, dass das Kind nicht in der Lage ist, den „Fehler“ selbst zu realisieren und zu korrigieren, sondern dass ein Kind uns mit jeder Sprachauffälligkeit etwas sagen will und um Hilfe bittet.

Philomena Erhard ist Diplom-Sprachgestalterin und -therapeutin und gibt Seminare für ErzieherInnen. www.philomena-erhard.com


Kinder, Kinder
Service

www.familienhandbuch.de
Hier finden sich zahlreiche Artikel zum Thema, zum Beispiel von Kai-Uwe Fock

Dohm, Christel: Spiel mit mir – Sprich mit mir, Verlag Freies Geistesleben 2002, 16,00 €

Keller, Liane: Ammenmärchen europäischer Völker, Mellinger Verlag 2005, 14,50 €

Arndt, Marga / Singer, Waltraud: Das ist der Daumen Knuddeldick – Über 500 Fingerspiele und Rätsel, Ravensburger Buchverlag 2009, 14,95 €

Slezak-Schindler, Christa: Sprachanbahnung – Sprechfreude, Marie Steiner Verlag 2009, ISBN 978-3-9808022-8-4, 14,00 €


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